Infos über Ralf Duyster


Auf meine berufliche Laufbahn war ich immer stolz. Auch wenn ich damals in der Hauptschule immer einer der Schlechtesten war, weil ich keinen Bock hatte, habe ich später alles nachgeholt. 

Hauptschulabschluss nachgemacht, Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in einem Baumarkt, Danach hätte der Bund angestanden. Aber darauf hatte ich keine Lust und bin zur Handelsschule. Am Ende des ersten Jahres habe ich ein Fachgeschäft für Heimtierbedarf eröffnet. Der Laden war im Haus meiner Eltern. Daher war das nicht ganz so schwer. 

Den Laden hatte ich rund 7 Jahre, und habe ihn nur geschlossen weil meine Eltern das Haus verkaufen wollten und der Makler meinte, es wäre besser wenn alles leer wäre. Wohnungen und Geschäftsräume. Da ich meinen Eltern nicht im Weg stehen wollte, nachdem sie mir das überhaupt erst ermöglicht hatten, habe ich den Laden geschlossen. Lustigerweise galt ich bei Bewerbungen nach einem Job als "ohne Berufserfahrung". Ich sagte zu einem Chef mal wo ich mich vorstellte, ich hab da alles selber gemacht. Einkauf, Verkauf, Buchführung, Mitarbeiterführung, Regalpflege. Aber weil ich selbstständig war, galt ich als ohne Berufserfahrung. Unglaublich. 

Ich hatte aber nebenher auch noch die Fachschule für Wirtschaft in Abendschule besucht. So war ich am Ende Betriebswirt. Also wir waren damals die ersten Betriebswirte des neuen Jahrtausend. :-)

Jedenfalls bin ich über eine Zeitarbeitsfirma dann auch zu Pelikan Hardcopy gekommen. Als Bürohilfe. Im Versandbüro. Dort wurde ich nach 9 Monaten übernommen, war im Betriebsrat, zuletzt als stellv. Vorsitzender, wobei ich inoffiziell Vorsitzender war weil unsere Vorsitzende nicht so wirklich die Kenntnisse hatte. Und ich saß auch bei unseren wöchentlichen Sitzungen auf dem Platz des Vorsitzenden. Leider hatte ich dann so auch die "Ehre", den Laden mit zuzumachen. Denn unsere Unternehmensführung war der Meinung wir werden nicht mehr gebraucht. Ich habe dann auch nix mehr gemacht, bezüglich meiner normalen Arbeit. Ich hab meiner Kollegin gesagt, wenn ne Sendung für mich kommt, lass die liegen. Ich kümmere mich jetzt nur noch um die Betriebsratsarbeit, damit die Leute hier anständig aus der Sache raus kommen. Da ist mir scheiß egal ob die Lieferungen pünktlich bei den Kunden ankommen. Ich mach das nur noch nebenbei. Und die Kollegin hat sich auch dran gehalten. 

Nachdem alles für die Kollegen geregelt war, habe ich mich um einen neuen Job bemüht und fand recht schnell nach einem Monat einen neuen Job als Versandleiter. Dummerweise wurde die Firma nach 2 Jahren zugemacht. Weil die Russen, die 90 % der Firma hatten, uns an Amis verkaufen wollten, weil diese unsere Kunden haben wollten. Wie mein Chef mir sagte, hatte er das ganze noch rausgezögert mit kleinen Aktivitäten. Durfte natürlich keiner von denen wissen. 

Aber am Ende konnte er mit seinen 10 % der Firma auch nicht mehr verhindern, das wir verkauft wurden. Zur gleichen Zeit ergab es sich, das eine Ex Kollegin von mir mir eine Mail schickte, dass das Pelikangebäude an Chinesen verkauft wurde. Da bewarb ich mich direkt als Versandleiter weil ich wieder in meinem Büro sitzen wollte, wo ich 9 gute Jahre hatte. Aber es lief leider nicht so wie ich dachte. Bei Gesprächen mit meinem Chef brachte ich ihn auch dazu, alte Kollegin von Pelikan wieder einstellen zu wollen. Nur leider dauerte es rund 2 Jahre bis ich selber überhaupt dort anfangen konnte. 2 Ex-Kollegen waren schon im Lager beschäftigt. Dann gab es eine Dame im Büro und einen - ich weiß gar nicht mehr was er machte - jedenfalls ein Chinese. Mehr waren die 2 Jahre dort nicht beschäftigt. Ich war inzwischen in ALG2 gerutscht. Ich bewarb mich zwar bei Firmen, weil ich musste, aber komischer Weise wollte mich niemand.

Irgendwann musste ich eine depperte Maßnahme machen, die keiner braucht. Ich jedenfalls nicht. Aber mit einer dortigen Mitarbeiterin erreichte ich es, dass ich ein Praktikum bei dem Chinesen machen konnte. Ich wollte zum einen sehen warum das da so lange dauerte. Zum anderen wollte ich schon mal Vorbereitungen treffen für meinen Job als Versandleiter. War schon witzig, ich als Praktikant, lud Spediteure zu Gesprächen ein, die ich aus Pelikanzeiten noch kannte. Mir ist dann auch die ein oder andere Kleinigkeit aufgefallen warum das da noch nicht lief, aber nur Kleinigkeiten. 2 Monate nachdem ich mein Praktikum beenden musste (war vom Jobcenter aus nur 5 Wochen möglich) rief er mich an ob ich noch Interesse hätte. Ich sagte, natürlich hab ich noch Interesse. Ich warte seit 2 Jahren darauf. Und dann konnte ich endlich anfangen. Ich wurde eingestellt als Versandleiter und war Zuständig für das Onlinemarketing. Da ich meinen bisherigen Nebenjob die letzten 2 Jahre etwas intensiver machte. Ich hatte ja Zeit.

Als ich dort war, merkte ich recht bald warum das nicht lief. Die Unfähigkeit des Chefs. Ich fragte ihn mal was wir für eine Palette bekommen. Also es kam ware aus China per Container, die wurden bei uns abgepackt und neu verpackt und zu Kunden in Europa verschickt. Er sagte, 10 Euro. Ich dachte ich hätte mich verhört. Ich sagte das Holz selber von der Palette kostet schon 12 Euro, also wir arbeiten hier umsonst? Er meinte andere Preise könnte er nicht machen. In China ist alles so in der Preislage. Ich sag wir sind hier in Europa, nicht in China. Aber wollte er nicht einsehen.

Folge war auch, das unsere Gehälter und Löhne nicht pünktlich kamen. In meinem ersten Monat klappte alles wie es sein sollte. Am Letzten Tag des Monats war mein Geld auf dem Konto. Im 2. Monat kam es nicht. Ich frag den Chef was mit dem Gehalt ist. Er meinte er hatte noch kein Geld aus China bekommen. Ich sag das ist mir egal, wir müssen hier unsere Miete und alles bezahlen. Er meinte, "Ja, was soll ich machen? Ich hab kein Geld.

Unglaublich. Nachdem es 3 Monate so lief, dass das Gehalt 2 Wochen später kam, habe ich von meinem privaten Geld was aufs Girokonto getan um alles bezahlen zu können, und das Geld was nach 2 Monaten kam habe ich für den nächsten Monat genommen. So ging es, aber meine Motivation war dahin. Und das in dem Gebäude wo ich 9 glückliche Jahre hatte zu Pelikanzeiten.

Nachdem ich ein halbes Jahr dort war, sagte er uns, er muss uns entlassen. Er wird uns aber bald wieder einstellen nach 3-4 Monaten. Grund war wohl, unser oberster Chef aus China war bei uns. Lustiger Weise war ausgerechnet zu dem Zeitpunkt Handwerker im Haus. Ich grinste ihn an, ob er jetzt extra Handwerker hat kommen lassen damit es für den Chef nach mehr Betrieb im Haus aussah. Aber er meinte das wäre Zufall.

Das war garantiert gelogen. Im nächsten Monat musste er uns entlassen. Mir war klar, der Chef hat sicher mitbekommen was da lief. Oder nicht lief. An meinem letzten Tag hätte ich eigentlich traurig sein müssen, das ich wieder das Gebäude verlassen musste für immer, wo ich 9 glückliche Jahre hatte. Aber nein, ich war echt froh, als ich gehen konnte und wusste, ich muss da nicht wieder hin. Denn das Gerede, er würde uns nach 3-4 Monaten wieder einstellen, war garantiert genauso falsch wie vieles andere auch. Und so war es auch. Später hatte er das Vertriebslager an eine Firma aus Aachen vermietet. Er meinte auch er würde mich dort hin empfehlen. Ich habe dann auch mit der dortigen Personalchef geschrieben, mich konnten die noch nicht einstellen weil die ihre Leute aus Aachen mitnehmen würden, aber ich hatte der Frau diverse Namen genannt von Ex Kollegin aus Pelikanzeiten, die sich da bewerben wollten. Aber es niemand eingestellt. überwiegen weil die alle nicht wollten. Denn unser ehemaliger Azubi von Pelikan, ein Marokkaner, sagte mir nachher, er wollte da nicht arbeiten, denn was die ihm als Gehalt geboten haben, davon hätte er seine Familie nicht ernähren können, die er inzwischen hatte.

Und deshalb hat auch niemand von meinen Ex-Kollegen dort angefangen. Also das Thema war dann auch für mich erledigt. Ich versuchte weiter mein Onlinemarketing voranzutreiben. Aber das klappte nicht so ganz. Denn ich war nicht bei der Sache. Nachdem in den letzten Jahren Vater, Oma, Opa, Onkel, und dann auch meine Mutter gestorben sind, war ich am Boden und hatte für nichts mehr wirklich Lust. Motivation schon mal gar nicht. Ich hatte dann auch schon mal gemerkt, dass ich körperlich nicht mehr so fit war. Ich habe früher Kampfsport gemacht, bin Radgefahren, war joggen, habe Bodybuilding gemacht. Also auch wenn ich nie schlank war, war ich doch sportlicher als man es mir ansah.

Aber durch die letzten Jahre, so vermutete ich, kam halt die Inaktivität. Irgendwann war ich auch einkaufen in der Stadt und habe mir auf dem Nachhauseweg an einer Dönerbude in der Fußgängerzone noch einen Döner holen wollen. Ich stand da, weil noch 2 Leute vor mir waren, und auf einmal bin ich umgefallen. Einfach so. Ich war total verwirrt weil ich nicht wusste warum. Mir tat ja nix weh. Es kamen direkt 2 Türken die da am Tisch saßen und halfen mir auf. Fand ich nett. Ich kannte die nämlich gar nicht. Ein türkischer Verkäufer der Dönerbude hat mich dann nach Hause begleitet, weil ich nicht weit weg davon wohne. Ich hielt mich an ihm fest. Er meinte ja noch, ob ich getrunken hätte.

Natürlich hatte ich nix getrunken. Zuhause hab ich dann meinen Döner gegessen und dachte nach, was los war. Aber ich hatte keine Ahnung. Ich ging ja auch nicht zum Arzt. Denn durch die Ereignisse der letzten Jahre war ich völlig unmotiviert für irgendwas. Ich habe dann einen Einkaufsservice im Netz gefunden, der von da an für mich einkaufen ging. Dann musste ich nicht wieder raus und riskieren, das sowas nochmal passiert.

So ging das dann noch ein paar Jahre. Weil ich ja beim Jobcenter angemeldet war musste ich ab und zu auch dort zu Terminen. Das ist hier gegenüber. Also keine große Strecke. Aber das war für mich immer der Horror wenn ich dahin musste. Ich ging langsam, meist an der Hauswand entlang, weil ich oft das Gefühl hatte ich würde umkippen. Wenn ich im Jobcenter im Warteraum saß und auf der Anzeige meine Nummer angezeigt wurde, bin ich raus gegangen, die Dame wartete bereits an der Tür damit ich sah wo ich hin musste, aber ich ging recht langsam und unsicher. Ich hatte keine Ahnung war los war. Auch wenn ich da saß und mit ihr redete, war noch alles ok. Ich saß nah, erst wenn ich aufstehen musste, musste ich mich am Tisch hochdrücken.

Heute ist mir klar, das waren alles Vorboten der MS. Aber damals wäre ich auf so eine Idee nicht gekommen. Wie gesagt, ich dachte das wäre aufgrund der Untätigkeit und Ereignisse der letzten Jahre.

2018 passierte Folgendes. Ich bin 4 mal in der Wohnung umgefallen. Einfach so. Es tat mir nichts weh. Auch beim Umfallen tat ich mir nix weil ich aufgrund meiner früheren Kampfsportjahre wusste wie ich fallen muss. Das war also in mir drin. Da musste ich nicht nachdenken. Hätte ich eh keine Zeit für gehabt. Aber beim 5. mal umfallen, konnte ich nicht mehr aufstehen. Mir tat auch da nix weh, mir fehlte einfach nur die Kraft. Und ich habe es nicht verstanden. Das war an einem Donnerstag. Ich versuchte zum Bett zu kriechen, und mich dort hochzudrücken. Ging nicht, dann krabbelte ich ins Wohnzimmer um mich auf dem Sessel hochzudrücken. Ging auch nicht. Und ich verstand es nicht. ich lag da, und wusste nicht warum.

Abends irgendwann ging mein Handy. Eine Bekannte, Marion, rief an. Ich redete mit ihr, ganz normal. Aber ich erzählte ihr nix davon. Ich saß bereits auf dem Boden ans Sofa gelehnt, und redete ganz normal mit ihr. Wie immer. Als unser Gespräch beendet war, wollte ich es nochmal versuchen. ich krabbelte wieder zum Bett im Schlafzimmer, warf mein Handy ins Bett, weil ich ja dort gleich drin sein würde. Tja, aber es ging immer noch nicht. Ich dachte, das kann doch nicht wahr sein. Ich blieb dann liegen und schlief am Boden. Ich hatte keine Ahnung wie es weiter gehen sollte. Am nächsten Tag klingelte mein Handy. Aber ich konnte ja nicht dran gehen. Unerreichbar. Ich lag also dann 3 Tage auf dem Boden. Mir war klar wenn ich nun nix mehr trinken kann, irgendwann nach 3 Tagen ist es vorbei. Aber es war mir auch egal. Es war eh niemand mehr da, für den es sich lohnen würde zu leben. Halbe Familie in den letzten Jahren gestorben, der Rest lebt sein eigenes Leben. Keinen Job mehr. Also was soll ich noch auf dieser Erde? Ich wollte dann nur einschlafen und nie wieder aufwachen. Einschlafen hat geklappt. Aber ich bin auch immer wieder aufgewacht. ich hatte nachher echt gehofft, das ich nie wieder aufwache. Aber zuletzt klopfte eine Polizeibeamtin an meiner Tür. ich konnte ihr durch die geschlossene Tür sagen was los war, die riefen die Feuerwehr, die die Tür aufbrachen. Ich kam dann ins Krankenhaus. Ich hatte keine Ahnung warum die bei mir waren.

Als ich nachher mit Marion telefonierte, sagte sie, sie hätte hier in 'Düren bei der Polizei angerufen. Ich war nicht mehr im Netz und telefonisch erreichen konnte sie mich auch nicht mehr. Also sie war das wohl die mich immer angerufen hatte die letzten Tage.

Im Krankenhaus wurde ich untersucht und nach 3 Tagen glaube ich, sagte der Arzt mir, ich hätte MS. Ich guck ihn an und fragte, "Wie soll ich denn daran kommen? In meiner Familie hat niemand MS." Er sagte, dass dies jeder bekommen kann. Also das hätte nix mit der Familie zu tun.

Darüber musste ich mir erst mal klar werden und dies verarbeiten. Später wurde mir einiges klar. Ich hatte vorher schon die Anzeichen dafür, die Gangunsicherheit, das ich in der Fußgängerzone am Dönerladen umgefallen bin, das waren alles Vorboten der MS.

Im Krankenhaus hatte ich einen Bettnachbar, der war 78 glaube ich. Irgendwann wurde er total nervös weil seine Frau nicht kam wie geplant an dem Sonntag. Die war sonst fast jeden Tag dort. Der Mann hatte vor Jahren einen Flugzeugabsturz und nun hatte er wieder einige Probleme, wie das eine Logopädin zu ihm kam und Sprach, und Schreibübungen mit ihm machte. Und nun war er total überfordert. Er wollte Schwiegermutter in Düren und Sohn in Italien anrufen, ob die was wissen. Aber er zitterte als er wählen wollte. Ich sagte, "Soll ich dir helfen?". Er war froh und gab mir sein Handy weil dort die Nummern eingespeichert waren. Aber ohne Erfolg. Schwiegermutter wusste nichts und war auch schon aufgeregt weil sich ihre Tochter nicht gemeldet hatte, und den Sohn konnte ich nicht erreichen. Der Mann war die ganze Zeit dran, "Was mach ich denn jetzt? Was mach ich jetzt?" Ich sag soll ich die Polizei anrufen? Damit die mal nachsehen bei dir zu Hause? Gesagt, getan. Der Polizist sagte mir, es sind eh schon Kollegen auf dem Weg zu uns. Weil ein Patient verschwunden ist und auf der Landstraße aufgegriffen wurde. Ich sagte ihm dann unsere Zimmernummer. Und er meinte, genau da kommen die Kollegen hin wegen dem Verschwundenen Patienten. Das kam mir dann komisch vor. Es ging um den dritten Mann bei uns im Zimmer. Der war immer recht ruhig und ich hab glaube ich nie mit dem geredet. Aber hatte er was mit der Frau zu tun? Ich habe auch nie mitbekommen das die was geredet haben. Die Polizei kam, brachten den Mann mit. Dann kam einer der Polizisten zu meinem Bettnachbarn und meinte, was los wäre. Der Mann war aber so daneben das er kaum einen vernünftigen Satz raus bekam. Ich sagte dem Polizisten dann was los war. Und der meinte ok, wir kümmern uns mal drum.

Später erfuhren wird, die frau wollte sich auf dem Speicher in deren Haus umbringen. Sie hatte irgendwas geschluckt. Der Notarzt hat 2 Stunden gebraucht um sie wiederzubeleben.

Aber sie wurde nicht durch mich gefunden sondern ein Nachbar dort hatte gemerkt, da stimmt was nicht, hatte sich dann mit seinem Sohn Zutritt zum Haus verschafft und da haben die die Frau auf dem Speicher gefunden. Hatte sich halt überschnitten.

Dieses Ereignis holte mich ein wenig aus meinem Trübsal raus. Ich hatte wieder das Gefühl, Dinge zu regeln.

Ich wurde vom Krankenhaus aus in die Reha gebracht. Dort bin ich zwar die ersten 5 Wochen oder so nur mit Rollstuhl rumgefahren, aber ich lernte durch die Behandlung auch wieder das Gehen. Wenn auch nur mit Rollator. Den hatte ich schon bekommen als ich noch im Krankenhaus war. Aber ich konnte wieder gehen.

In der Reha war auch mein Bettnachbar. Wir sind uns immer wieder überm weg gelaufen und haben auch unten mal gesessen und was getrunken. Seiner Frau ging es inzwischen besser nach 5-6 Wochen auf der Intensiv. Sie wusste nicht warum sie das gemacht hatte. Vermutlich war ihr das alles zu viel mit ihrem Mann.

Kurz vor Ende meiner Reha saß ich auf meinem Rollator im Flur vor den Aufzügen. Ich saß da oft rum und grübelte über mein Leben nach. Dann kam der Aufzug von unten nach oben, die Tür öffnete sich weil einer aussteigen wollte, im Aufzug stand der besagte Mann mit seiner Frau. Der Mann sagte zu ihr, "GUCK DA ISSER!" Die Frau und ich winkten uns zu. Ihr schien es wieder gut zu gehen. Also das war gut ausgegangen. Das fand ich gut.

Ich merkte aber bei mir, irgendwas stimmt mit mir nicht. Eben weil ich so oft irgendwo rumsaß auf dem Flur, und einfach nur grübelte und unmotiviert war. Ich wollte dann mal mit einer Psychologin reden. Die es auch dort im Haus gab. Nach 10 Minuten sagte sie schon, "Sie haben Depression!" Und dann war mir auch klar, warum ich an den 3 Tagen nicht mal die Anstalten gemacht habe, zu überleben. Oder mal zum Arzt zu gehen. Ich wollte einfach nur meine Ruhe haben. Weil so viel passiert war die letzten Jahre. Dachte ich. Nun wusste ich es lag an der Depression.

Dann kam ich nach der Reha in ein Pflegeheim. Also Kurzzeitpflege. Im Krankenhaus hatte ich mir eine Betreuerin besorgt. Ursprünglich weil ich meine monatlichen Überweisungen nicht machen konnte. Ich hab da keinen Dauerauftrag gemacht sondern immer per Onlinebanking gemacht, weil das ja alles gespeichert war. Keine Ahnung warum ich nie einen Dauerauftrag gemacht habe. Lag wohl an der Depri.

Aber die Betreuerin machte dann auch andere Sachen, und das war gut. Denn ich war ja total unmotiviert. Ich werde sie zwar bald abschießen weil sie zu viel Murks gemacht hat, kommt noch. Jedenfalls meine sie, nach der Kurzzeitpflege sollte ich in die LVR Klinik wegen der Depression. Aber das hab ich abgelehnt. Ich will in keine LVR Klinik und nach 5 Monaten Abwesenheit wollte ich endlich wieder nach Hause.

Im vorletzten Jahr bin ich dann einige Male in der Wohnung wieder umgefallen. Keine Ahnung warum. Ich kam ins Krankenhaus, Notaufnahme, wurde mit Schmerzmittel vollgepumpt per Infusion, und konnte abends wieder nach Hause. Ende 2019 sagte ich dann zum Arzt, ob ich nicht mal da bleiben könnte damit mal rausgefunden wird warum ich da immer umfalle. Ich wurde dann auch dort aufgenommen. Aber mir wurde nach Untersuchungen im MRT gesagt, ich hätte ein Lipom (Fettknubbel) im Rücken und Verschleiß. Ich sag das kann aber nicht der Grund für das Umfallen sein. Nein konnte es nicht, aber die wissen nicht warum das so ist.

Toll, hat sich echt gelohnt. 🙁

Dann kam ich wieder in Kurzzeitpflege. Dort hatte ich auch ein lustiges Ereignis. Schräg gegenüber war eine alte Frau die ständig "Hallo" rief. Ihr wurde schon mal gesagt sie soll den Rufknopf drücken. Aber das verstand sie wohl nicht oder vergas es wieder weil sie Dement war. Eines Tages wollte ich wieder ne Runde über den Flur drehen. Ich wollte nach Links, und von Rechtes hörte ich "Hallo". Ich guck und wusste sofort es war diese Frau obwohl ich sie noch nie gesehen hatte. Ich sag, "Hallo". Sie wieder "Hallo", ich fragte, kann ich ihnen helfen? Sie meinte sie will nach Hause. Mir war klar sie meinte ihr Zimmer. Ich fragte "Sind sie die Frau XXX?" weil der Name ja an der Tür stand. Sie sagte ja, und ich sagte, Ihr Zimmer ist hier. Sie war im Rollstuhl hatte wohl nicht die Kraft bis dort zu rollen. Sie meinte ob ich ihr helfen könnte. Ich ging mit meinem Rollator dahin und schob dann Rollstuhl und Rollator ins Zimmer. Dann meinte sie, sie müsse mal. Ich sag, die Toilette ist dort und zeigte auf die Tür. Sie meinte sie müsste auf den Toilettenstuhl. Aber sie kann die Hose nicht ausziehen, ob ich ihr dabei helfe. Ich sagte, "ich kann ihnen dabei nicht helfen, ich bin kein Pfleger. Da kann ich ihnen nicht die Hose ausziehen." Sie meinte, ach das macht doch nichts. Ich sagte, nee das geht nicht. Ich rufe Ihnen ne Schwester. Sie meinte die Hose aufmachen kann sie selber ich müsste die nur runterziehen. Dann kam eine Schwester rein und ich sagte "Gott sei dank, sie sind da." 😃

2 Tage später, ich hatte bei mir immer die Zimmertür offen wenn ich da war, kam sie im Rollstuhl an die Tür gefahren. "Hallo" Ich: "Hallo" sie, "Hallo", Ich: "Hallo, kann ich ihnen helfen?" Sie meinte, ich tu ihr auch total leid, ich würde da immer alleine im Zimmer setzen, und es kümmert sich keiner um mich. Ich sagte ich will auch nicht das sich irgendwer um mich kümmert.😃

Sie meinte, versteht sie nicht. Und rollte weiter. 5 minuten später hörte ich den Feueralarm. Ich war zwar TV am gucken aber ich musste so grinsen, weil ich mir dachte sie war das. Eine Schwester lief dort hin sie war es auch. Die Frau hatte da eine Tür auf gemacht, die gesichert war. 😃

Die Schwester kam wieder zurück und ging an meinem Zimmer vorbei und war am fluchen. Sie meinte dann zu mir ob sie die Tür zumachen sollte, die alte frau hätte dahinten sämtliche Türen auch bei anderen Bewohnern aufgemacht und hat dort reingeguckt. Ich sag, "Ne lassen sie ruhig auf, die Frau war ja schon bei mir." 😃

Als ich dann wieder zu Hause war, tat mir wieder der Rücken weh. Und ich dachte, bevor ich ich wieder umfalle und am Boden liege, setze ich mich besser in den Rollstuhl. Den ich dem Pflegeheim nach dem Krankenhaus hier stehen hatte. Und das war eher positiv. Denn im Rollstuhl bewegte ich mich mehr als vorher mit dem Rollator. Und das tut meinem Rücken gut. Ich vermute inzwischen, ich habe einen Nerv eingeklemmt in der Wirbelsäule. Das habe ich selber rausgefunden im Netz und mit einem Gespräch meiner Physiofrau die einmal die Woche zu mir kommt um mir die Beine zu bearbeiten.

Aber ich habe keine Lust zu einem Arzt zu gehen damit. Ich weiß inzwischen selber wie ich mich bewegen muss und was ich tun muss um mich da zu dehnen. Und offenbar sehen Ärzte das nicht, warum auch immer. Ich habe also keine Lust mehr mich zum Arzt zu begeben deswegen. Selbst im Krankenhaus wurde das nicht rausgefunden. Ich musste es selber rausfinden. Also mir reicht es.

Mein altes Leben ist eh vorbei. Jetzt mache ich das Beste draus. Ich habe auch noch meine Ziele, und die werde ich auch umsetzen. Auch wenn es etwas dauert. Wenn ich von der natürlichen Lebenserwartung ausgehe, habe ich noch rund 27 Jahre zu leben. Aber auch das ist eines meiner Ziele, diesen Zeitpunkt noch weiter nach hinten zu schieben.

Vor 3 Jahren war ich also geistig schon tot. Inzwischen will ich noch einiges erreichen. Auch wenn ich inzwischen in Frührente bin wegen der MS. Aber langsam kommt mein alter Kampfgeist wieder durch, den ich auch hatte als ich damals Kampfsport machte. Und das alles ohne Ärzte, die.... na ich sag es nicht.

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